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Niemand wird es mir verdenken: Die Nürburgring-Nordschleife ist meine Lieblings-Prüfstrecke. Dagegen kommt nun mal kein Proving Ground oder sonst ein Rennkurs dieser Welt an. Die „Grüne Hölle“ trennt die Fahrwerk-Spreu vom Weizen – und macht Spaß. Nicht umsonst herrscht hier zu Industriepool-Zeiten regelmäßig Hochbetrieb.

Opel gehört übrigens zu den Gründungsmitgliedern dieses Industriepools, den es seit Mitte der 90er-Jahre gibt. Damit haben wir erreicht, dass die Nordschleife für die Automobilentwicklung weiter nutzbar bleibt. Wir drohten nämlich im stetig zunehmenden Publikumsverkehr unterzugehen. Viele Freizeitpiloten schauen leider kaum in den Rückspiegel, hauen einem die Tür vor der Nase zu, schlingern jenseits von Gut und Böse herum oder stellen das Auto für Fotos direkt hinter einer Kuppe ab. Alles schon erlebt… Deshalb ist es für uns gewissermaßen lebensnotwendig, dass wir es im reservierten Industriepool-Zeitfenster als Profis mit Profis zu tun haben. Da kennt und respektiert jeder die Regeln. So können wir uns auf das Auto und die zu prüfende Komponente konzentrieren.

Die Videoszene stammt von einem, sagen wir mal, autorisierten Spion. Es handelt sich um den recht anspruchsvollen Streckenteil „Brünnchen“: Leichte Kompression, kleine Welle auf der Ideallinie, schnelle Rechts bergab, wo Querstabilität gefragt ist. Auch hier, mit dem Abstimmungsfahrzeug Astra 2.0 CDTI Automatik, demonstriert unser Fahrwerk seine konzeptionellen Qualitäten.

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Mein Kollege Markus Hofmann wird hier demnächst den neuen 1,4-Liter-Turbobenziner im Astra näher beschreiben. Als kleinen Appetithappen habe ich diese Bilder von einem meiner jüngsten Besuche im GM-Testzentrum Nürburgring mitgebracht.

Parallel zu unseren Fahrwerk-Versuchen spulten Andreas Karner und seine Jungs aus dem Bereich Zündtechnik einen Zündspannungstest unter verschärften Bedingungen auf der Nordschleife ab. Bei dem Probanden handelt es sich um einen 1.4 Turbo, der seinen Dienst in einem Powertrain-Mule verrichtet.

Die etwas eigenartige Haube vor der Kühlermaske wird so natürlich nie in Serie gehen. Laut Hans Link, zuständig für den Messaufbau Motor-/Getriebeelektronik (gelber Overall), hält die Vorrichtung bei diesem Mule-Typ zuverlässig das Spritzwasser von der Luftansaugung fern.

Zündspannungstest mit Mule des neuen Opel Astra Zündspannungstest mit Mule des neuen Opel Astra
Zündspannungstest mit Mule des neuen Opel Astra Zündspannungstest mit Mule des neuen Opel Astra

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Über die Autos, mit denen wir testen, habe ich ja schon berichtet und ich hatte versprochen, später noch mehr über diese getarnten Gesellen zu erzählen. Zur Zeit arbeiten wir mit zwei Typen. Beide sehen zwar schon deutlich nach neuem Astra aus, sind aber dennoch sehr unterschiedlich.

Neuer Opel Astra - PPV und IVDas IV (integration vehicle) ist äußerlich an den Rückleuchten aus dem Baumarkt (ja, wirklich!) und der viel stärkeren Tarnung erkennbar. Die intensivere Tarnung ist deshalb nötig, weil wir mit diesen Fahrzeugen schon sehr früh auf die Straße gehen, denn sie dienen – wie der Name schon andeutet – der Integration der einzelnen Technik-Komponenten, dem Test ihres Zusammenspiels. IV werden im Prototypenbau von Hand montiert.

Weit näher am späteren Serienauto ist das PPV (pre-production vehicle). Hier sieht außen und innen schon alles sehr nach Astra aus, Spaltmaße und Oberflächenstrukturen sind natürlich noch nicht final. PPV werden schon im Werk an einem speziellen Fließband gebaut, der sogenannten Pilotlinie. Dort werden dann auch im Hinblick auf die spätere Serienproduktion Werkzeuge und Fertigungsabläufe optimiert. Die PPV haben nur noch ein dezentes Tarnmuster und keine sperrigen Aufbauten mehr.

Derzeit scheuchen wir sowohl IV als auch PPV noch gleichermaßen durch den Testbetrieb. Die allerersten Autos, mit denen wir Astra-Komponenten testeten – die bereits vom Kollegen Harder ausgiebig gewürdigten Mules – stehen derweil schon zur Verschrottung an.

Aktuell ist unser Team vor allem im Testzentrum Dudenhofen zugange, wo wir (mit den PPV!) zahlreiche Messdaten wie zum Beispiel Beschleunigungswerte und Spritverbrauch ermitteln. Auch davon werde ich noch berichten.

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Den Mules, die wie berichtet jetzt zur Verschrottung anstehen, haben wir Fahrwerk-Entwickler schon ungezählte Kilometer aufgebrummt. Von April bis Ende Oktober ging’s auf den Opel-Prüffeldern in Dudenhofen und Pferdsfeld sowie auf meiner Lieblings-Teststrecke Nürburgring-Nordschleife rund. Von November bis März sind wir mit den dunkelblauen Technologieträgern knapp unterhalb des Polarkreises in Arjeplog und gut 5.000 Kilometer weiter südlich auf dem IDIADA-Testgelände in der Nähe von Tarragona unterwegs gewesen.

Im Winter können wir so parallel Entwicklungen auf Hochreibwert (trockener Asphalt) und Niedrigreibwert (Schnee und Eis) vorantreiben. Die Ergebnisse werden wechselweise genutzt und in Maßnahmen umgesetzt. Diese Vorgehensweise hat sich speziell vor dem Hintergrund der immer knapperen Entwicklungszyklen bewährt.

Michael Harder mit Mule Mule: Astra-Technologieträger

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Wir als Fahrwerk-Entwickler sind daran gewöhnt, dass nicht immer das drin ist, was draufsteht. Ich meine unsere Technologieträger, die so genannten Mules. Außenhaut und Interieur des Vectra C sind hier mit den maßgeblichen Architekturbauteilen des neuen Astra verbunden. Dazu gehören neben Karosseriestruktur, Unterboden, Motor, Getriebe und Teilen der Fahrzeugelektrik vor allem die Fahrwerksysteme Bremsen, Lenkung, Dämpfung, Reifen sowie Vorder- und Hinterachse. Und mit solchen Testfahrzeugen werden Funktions- und Dauerhaltbarkeitsprüfungen durchgeführt. Dazu später mehr.

Zunächst noch was zum Begriff mule, englisch für Maultier. Nun, Maultiere sind als gelungener Mix aus zwei Arten laut Wikipedia gutmütig, geradlinig und sehr belastbar – wie unsere Testautos. In puncto „hohe Lebenserwartung“ allerdings können unsere Mules mit den lebendigen Maultieren nicht mithalten. So wandert der abgebildete Vierrädrer bald zusammen mit seinen Artgenossen in die Schrottpresse – ohne Abwrackprämie.

Michael Harder mit Mule Mule: Astra-Technologieträger

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