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Sicher und dynamisch soll er sich fahren, unser Astra – egal in welcher Version. Die Leser hier im Blog und auch Kollegen stellen immer wieder die Frage, wie wir Chassis-Entwickler mit den verschiedenen Lasten und Gewichtsverteilungen umgehen. Tatsächlich geht die Schere angesichts des breiten Spektrums an Ausstattungs- und Motorvarianten weit auf. Das gilt besonders bei Volumenmodellen.

Nun, fahrdynamisch gilt folgender Zusammenhang: Ausgehend von einem Basisfahrzeug mit Basisgewicht nimmt mit der Masse und dem Vorderachslastanteil die Untersteuerneigung zu (Untersteuern ist, wenn man den Baum zuerst sieht – Übersteuern ist, wenn man den Baum zuerst hört).

Diesem physikalischen Effekt haben wir Folgendes entgegenzusetzen:

  1. Reifenprogramme – Eines für die kleinen Benziner und den 1.3 CDTI (205/60-16, 215/50-17, 225/45-18) sowie eines für den 1.6 Turbo und alle weiteren Diesel (215/60-16, 225/50-17, 235/45-18). Reifen mit einer höheren Tragfähigkeit (Load Index) weisen bei gleichem Querschnittsverhältnis in der Regel eine höhere Schräglaufsteifigkeit auf. Das bringt ein Plus an Grip.
  2. Luftdruck – In gewissem Rahmen verbessern höhere Werte die Schräglaufsteifigkeit der Reifen zusätzlich.
  3. Federraten – Wir verwenden sieben Vorder- und drei Hinterfeder-Typen in verschiedenen Kombinationen.
  4. Rollratenverteilung – Durch die Fliehkräfte bei Kurvenfahrt will sich der Aufbau nach außen neigen. Dem wirken Federraten und Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse entgegen. Die Feder- und Stabilisatorenraten addieren sich zur Gesamtrollrate an Vorder- und Hinterachse. Das Lenkverhalten des Wagens wird unter anderem vom Rollraten-Verhältnis Front zu Heck bestimmt: Hoher Rollratenanteil vorne bedeutet mehr Untersteuerneigung, hoher Rollratenanteil hinten verringert die Untersteuerneigung. Dieser Erkenntnis folgend erhöhen wir bei Modellvarianten mit höherer Vorderachslast die Heck-Rollrate, indem wir Hinterachs-Torsionsprofile mit dickeren Blechstärken verwenden.

 
Über Aufbau und Funktionsweise der Hinterachse berichte ich zu gegebener Zeit noch im Detail.

Michael Harder mit Astra-Hinterachse Reifenlager Pferdsfeld
IV des neuen Opel Astra IV des neuen Opel Astra

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Michael Harder mit MuleAuf die von „didi“ gestellte Frage bezüglich Reifenabstimmung möchte ich gerne etwas näher eingehen: Die potenziellen Reifenpartner nominieren wir lange bevor überhaupt der erste Prototyp existiert. Von der Nominierung an werden die in Frage kommenden Produkte der verschiedenen Hersteller gemäß unseren Vorstellungen optimiert. In dieser Phase verwenden wir so genannte Mules. Diese optisch „alten“ Fahrzeuge kommen dem neuen Auto (fahrwerk)technisch schon so nahe wie möglich. Auf dieser bereits sehr soliden Erkenntnisbasis machen wir dann mit den Prototypen weiter.

In der Regel erstreckt sich der Optimierungsvorgang über drei bis vier Loops. Dabei stellen die Lieferanten jeweils mehrere Reifensätze mit leicht unterschiedlichen Spezifikationen zusammen, die wir erst auf trockener und dann auf nasser Fahrbahn überprüfen. Pro Loop kommen so mehrere hundert Pneus zusammen, die bewertet und selektiert werden müssen. Das ginge alles gar nicht ohne das ausgeprägte Know-how unseres Reifenexperten Wolfgang Körper. Der koordiniert die Testläufe und kennt die spezifischen Stärken und Schwächen der Kandidaten aus dem Effeff. Für den am besten beurteilten Satz pro nominiertem Hersteller geben wir schließlich die weitere Entwicklungsrichtung vor.

Daraus wird vielleicht ersichtlich, dass die Reifenabstimmung schon eine Wissenschaft für sich ist – weit jenseits von „Hauptsache schwarz und rund“.

Mule Vorderrad Reifenexperte Wolfgang Körper Mule Hinterrad

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