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Über die Autos, mit denen wir testen, habe ich ja schon berichtet und ich hatte versprochen, später noch mehr über diese getarnten Gesellen zu erzählen. Zur Zeit arbeiten wir mit zwei Typen. Beide sehen zwar schon deutlich nach neuem Astra aus, sind aber dennoch sehr unterschiedlich.

Neuer Opel Astra - PPV und IVDas IV (integration vehicle) ist äußerlich an den Rückleuchten aus dem Baumarkt (ja, wirklich!) und der viel stärkeren Tarnung erkennbar. Die intensivere Tarnung ist deshalb nötig, weil wir mit diesen Fahrzeugen schon sehr früh auf die Straße gehen, denn sie dienen – wie der Name schon andeutet – der Integration der einzelnen Technik-Komponenten, dem Test ihres Zusammenspiels. IV werden im Prototypenbau von Hand montiert.

Weit näher am späteren Serienauto ist das PPV (production process validation). Hier sieht außen und innen schon alles sehr nach Astra aus, Spaltmaße und Oberflächenstrukturen sind natürlich noch nicht final. PPV werden schon im Werk an einem speziellen Fließband gebaut, der sogenannten Pilotlinie. Dort werden dann auch im Hinblick auf die spätere Serienproduktion Werkzeuge und Fertigungsabläufe optimiert. Die PPV haben nur noch ein dezentes Tarnmuster und keine sperrigen Aufbauten mehr.

Derzeit scheuchen wir sowohl IV als auch PPV noch gleichermaßen durch den Testbetrieb. Die allerersten Autos, mit denen wir Astra-Komponenten testeten – die bereits vom Kollegen Harder ausgiebig gewürdigten Mules – stehen derweil schon zur Verschrottung an.

Aktuell ist unser Team vor allem im Testzentrum Dudenhofen zugange, wo wir (mit den PPV!) zahlreiche Messdaten wie zum Beispiel Beschleunigungswerte und Spritverbrauch ermitteln. Auch davon werde ich noch berichten.

Fahrwerksabstimmungen in England, gemeinsam mit unseren britischen Fachleuten, sind immer wieder eine besondere Herausforderung. Zum einen sind die Kollegen wirkliche Experten in Sachen Chassis und haben ganz genaue Vorstellungen und Wünsche, zum anderen sind die britischen Straßen ja auch von besonderem Charakter – was schon die Kollegen vom Insignia-Team ausgiebig berücksichtigt haben.

Und sie lieben sportliche Qualitäten. Bei meinem jüngsten Besuch hatten sie sogar einen waschechten Rennfahrer aufgeboten: Fabrizio Giovanardi, der für Vauxhall beim British Touring Car Championship (BTCC) unterwegs ist. Mit ihm in unserem Abstimmungs-Prototypen entstand ein Video, das ich den Blog-Lesern nicht vorenthalten möchte. Auch wenn es nicht so aussieht: Es wurde auf abgesperrter Strecke innerhalb des Testzentrums Millbrook gedreht. Viel Spaß beim Anschauen, aber bitte nicht auf die Idee kommen, es auf öffentlichen Straßen nachzumachen!

Nach dem 1,6-Liter-Sauger hier noch ein Video von der Fahrt im neuen Astra mit 1.6 Turbobenziner. Die gefahrenen Geschwindigkeiten waren durchweg höher, dank der breiteren Reifen auch in den Kurven.

Wie im vorigen Beitrag erwähnt, packte ich zum Abschluss der 99-Prozent-Fahrt auf unserem Testgelände in Pferdsfeld die Gelegenheit beim Schopf: Auf dem „heißen Sitz“ neben Chassis-Experte Michael Harder lernte ich den physikalischen Grenzbereich des Astra mit 1,6-Liter-Saugbenziner etwas näher kennen.

Für Michael, der Pferdsfeld wie seine Westentasche kennt, ist das alles nichts Besonderes. Der behält jederzeit die Kontrolle und achtet auch in Extremsituationen auf die fahrwerktechnischen Feinheiten. Ich fühlte mich jedenfalls an seiner Seite gut aufgehoben – sicher auch ein Verdienst des Astra.

Besonders viel Vertrauen war gefragt, als Michael bei Höchsttempo auf der Start- und Landebahn ein Ausweichmanöver simulierte.

Dieser Tage absolvierte unser Ingenieurteam die so genannte 99-Prozent-Fahrt mit dem neuen Astra. Wie schon der Name erahnen lässt, werden dabei die Prototypen vor dem finalen Freigabe-Check quasi zum vorletzten Mal beurteilt. Mit im Testkonvoi waren dabei auch aktuelle Astra und Wettbewerber. So können wir im direkten Vergleich die Qualitäten unseres Neulings noch besser einordnen.

Jetzt im Anschluss stürzen sich die Entwicklungsgruppen auf die Erkenntnisse, die wir gewonnen haben. Alles Kleinigkeiten, die noch eines gewissen Feinschliffs bedürfen. Bei der abschließenden großen Erprobungsfahrt, sinnigerweise 100-Prozent-Fahrt genannt, sollte dann alles sitzen.

Absolutes Highlight und gleichzeitig programmgemäßer Schlusspunkt der 99-Prozent-Fahrt war die Fahrleistungs- und Handling-Prüfung auf unserem Testgelände in Pferdsfeld. Der ehemalige Militärflugplatz erlaubt Manöver, die wir auf öffentlichen Straßen niemals durchführen würden. Ich habe als Beifahrer die Videokamera mitlaufen lassen. Der Streifen wird im Mittelpunkt des nächsten Blog-Beitrags stehen.

Prototyp des neuen Opel Astra auf der 99-Prozent-Fahrt Prototyp des neuen Opel Astra auf der 99-Prozent-Fahrt

Michael Harder mit MuleAuf die von „didi“ gestellte Frage bezüglich Reifenabstimmung möchte ich gerne etwas näher eingehen: Die potenziellen Reifenpartner nominieren wir lange bevor überhaupt der erste Prototyp existiert. Von der Nominierung an werden die in Frage kommenden Produkte der verschiedenen Hersteller gemäß unseren Vorstellungen optimiert. In dieser Phase verwenden wir so genannte Mules. Diese optisch „alten“ Fahrzeuge kommen dem neuen Auto (fahrwerk)technisch schon so nahe wie möglich. Auf dieser bereits sehr soliden Erkenntnisbasis machen wir dann mit den Prototypen weiter.

In der Regel erstreckt sich der Optimierungsvorgang über drei bis vier Loops. Dabei stellen die Lieferanten jeweils mehrere Reifensätze mit leicht unterschiedlichen Spezifikationen zusammen, die wir erst auf trockener und dann auf nasser Fahrbahn überprüfen. Pro Loop kommen so mehrere hundert Pneus zusammen, die bewertet und selektiert werden müssen. Das ginge alles gar nicht ohne das ausgeprägte Know-how unseres Reifenexperten Wolfgang Körper. Der koordiniert die Testläufe und kennt die spezifischen Stärken und Schwächen der Kandidaten aus dem Effeff. Für den am besten beurteilten Satz pro nominiertem Hersteller geben wir schließlich die weitere Entwicklungsrichtung vor.

Daraus wird vielleicht ersichtlich, dass die Reifenabstimmung schon eine Wissenschaft für sich ist – weit jenseits von „Hauptsache schwarz und rund“.

Mule Vorderrad Reifenexperte Wolfgang Körper Mule Hinterrad

Bei strahlendem Sonnenschein haben wir auf der Zuchteisfläche von Arjeplog die querdynamischen Qualitäten des neuen Astra bei Niedrigreibwert auf uns wirken lassen.

Großglockner Downhill Driving 2 Hallo – hiermit meldet sich auch der Bereich Fahrzeugakustik im Astra-Blog zu Wort. Wir kümmern uns um das, was der Kunde im und am Fahrzeug zu hören bekommt. Dazu zählen der Sound des Motors und der Komponenten einzeln oder im Verbund ebenso wie Straßengeräusche.

Wir arbeiten typischerweise sehr eng mit anderen Entwicklungsbereichen zusammen. Angesichts der vielen Schnittpunkte – beispielsweise mit dem Design, mit den Fahrwerkspezialisten oder auch mit den Kollegen von Fahrleistung, Verbrauch und Abgas – haben wir einen ganz guten Überblick, wie die Dinge überall so stehen. Unsere große Herausforderung besteht darin, möglichst niemandem in die Parade zu fahren und gleichzeitig unsere strengen Vorgaben zu erfüllen. Konkrete Fälle werde ich hier bald erläutern.

Zu den ausgesprochen schönen Aspekten unserer Arbeit gehört, dass man sehr viel direkt am Auto zu tun hat. Testfahrten, die es erlauben, das neue Fahrzeug „live“ unter realistischen Fahrbedingungen zu erleben und zu bewerten, sind quasi unser täglich Brot. An der Großglockner-Tour nahmen alle Performance-Bereiche teil. Solche gemeinsamen Aktionen erleichtern natürlich die interdisziplinäre Abstimmung ungemein.

Großglockner Downhill Driving 1 Großglockner Downhill Driving 3

Unsere Probanden nähern sich zusehends dem Serienstand. Für Beurteilungen, Tests und die Validierung greifen wir jetzt auf PPV-Fahrzeuge (pre-production vehicle) zurück. Die können sich schon richtig sehen lassen. So sind beispielsweise die Leuchten production-intent und machen echt was her.

Alex Regné Gläser An einem der vergangenen sonnigeren Tage ging’s auf Beurteilung in Richtung Rheingau. Der Reiz an dieser Route ist der bunte Mix aus Steigungen, Autobahn- und Stadtfahrt. Besonders auf den Überland-Abschnitten verloren wir unser Begleitfahrzeug, einen Serien-Astra 1.9 CDTI, ab und zu aus den Augen.

Mit von der Partie war ausnahmsweise Alex Regné Gläser – dem einen oder anderen vielleicht noch vom Insignia-Blog her bekannt…

Auf der Landstraße von Arvidsjaur zur Zuchteisfläche von Arjeplog, wo wir unsere Wintertests durchführen, mischte sich ein schwedischer Kombi in den Astra-Konvoi. Zwar haben die Erlkönigjäger dieser Tage in Nordschweden Hochkonjunktur, aber hier waren es unsere Leute, die im Leihwagen mit der Videokamera hantierten. Den dabei entstandenen Film können wir jetzt zeigen. Übrigens: Der Elchtest-Elch machte gerade Pause.