Archiv des Tags ‘Prototyp’

Zafira-Wintertest in Arjeplog Während sich meine Chassis-Kollegen und für drei Tage auch das Team um Markus Hofmann in Idiada tummelten, hielt ich die Stellung am Polarkreis – begleitet von einem kleinen Kreis von Motorjournalisten. Diese hatten die Gelegenheit, uns bei letzten Abstimmungsfahrten, so genannten validation drives, mit getarnten IV und PPV zu begleiten.

Schon auf der Landstraße vom Flughafen Arvidsjaur zur Zuchteisfläche von Arjeplog war klar: Die Journalisten wollten den Zafira auf Herz und Nieren testen – Praxis statt grauer Theorie. Das sollten sie haben. Schließlich galt es, das Feintuning der elektronischen Fahrdynamikregelung zu überprüfen. Da ließ es sich unsere Entwicklungschefin Rita Forst nicht nehmen, einige Runden auf dem Eis zu drehen.

Zafira-Wintertest in Arjeplog Das ABS/ESP-Steuermodul „MK60EC“ von Conti, das im Zafira zum Einsatz kommt, verfügt über zahlreiche Assistenten, die alle in einem Bauteil integriert sind. Dazu zählen die elektronische Stabilitätskontrolle (ESC), die Traktionskontrolle (TC), der Notbremsassistent, die Berganfahrhilfe (Hill Start Assist, HSA) sowie das Anhänger-Stabilitätsprogramm (Trailer Stability Assist, TSA). Unser Augenmerk lag auch auf der Funktion „aktiver Überrollschutz“, gelten doch beim Zafira mit seinem naturgemäß höheren Schwerpunkt andere Gesetzmäßigkeiten als bei einer Limousine. Insgesamt wertet das MK60EC 100mal pro Sekunde bis zu 4.000 Variablen aus – genug Datenmaterial für exaktes Feintuning, das wir (fast) in Echtzeit zwischen Spanien und Schweden austauschen.

Das Fazit der Journalisten fiel eindeutig aus: Der neue Zafira macht Laune – nicht zuletzt auf Schnee und Eis. Besonders die Stabilität in Kurven und das sehr gute, neutrale Lenkverhalten fanden Anklang. Bei deaktiviertem ESP gab’s dann auch noch ein paar Drift-Einlagen auf Eis …

Zafira-Wintertest in Arjeplog Zafira-Wintertest in Arjeplog

Zafira Wintertest in Arjeplog „Kinder, seid ihr groß geworden…“ Gerade erst sind meine (Fahrwerks-)„Babys“ Astra und Astra Sports Tourer den Kinderschuhen entwachsen, da erblickt schon der nächste Sprössling das Licht der Welt: der Zafira. In der neuen Generation kommt eine vom Insignia abgeleitete Vorderachse in Kombination mit der Astra-Hinterachse zum Einsatz. Der Verbund-lenkerachse mit Watt-Gestänge haben wir auch im Zafira den Vorzug vor einer Mehrlenkerkonstruktion gegeben. In einem Siebensitzer mit versenkbarer dritter Sitzreihe ist die kompaktere (und leichtere) Bauweise Gold wert. Und dank Watt- Gestänge kommen auch Handling (Querstabilität in Kurven) und Fahrkomfort nicht zu kurz.

Zafira Wintertest in Arjeplog Wie beim Astra auch, sind wir von November bis März mit unseren Zafira-Prototypen sowohl im schwedischen Arjeplog als auch gut 5.000 Kilometer weiter südlich im spanischen Idiada unterwegs. So können wir parallel unsere Testdaten auf Hochreibwert (trockener Asphalt) und Niedrigreibwert (Schnee) vergleichen und das Feintuning von mechanischen und elektronischen Fahrwerkskomponenten vorantreiben. Mehr zum Zafira auf Schnee in meinem nächsten Beitrag.

 

Zafira Wintertest in Arjeplog Zafira Wintertest in Arjeplog

Opel Astra Sports Tourer 99-Prozent-FahrtVor wenigen Tagen rückten wir unter dem Kommando von Fahrtleiter Dieter Schindel, wie immer im Zafira unterwegs, zur 99-Prozent-Tour mit dem Astra Sports Tourer aus. Bei diesem vorletzten Engineering-Check nahmen die Kollegen aus verschiedenen Disziplinen, darunter auch mein Blogger-Kollege Bernd Winter, den Vorserien-Kombi kritisch unter die Lupe. Neben dem „allgemeinen Fahrzeugeindruck“ standen die Kofferraumnutzbarkeit, der Antrieb, Akustik und Fahrkomfort sowie die Chassisabstimmung zur Bewertung an.

Opel Astra Sports Tourer 99-Prozent-FahrtUns standen der Sports Tourer 1.4 und der 1.6 Turbo zur Verfügung. Als Referenzmodelle hatten wir einen Astra H Caravan 1.4 TWINPORT, den Ford Focus Turnier 1.6, Skoda Octavia Combi 1.8 TSI und einen VW Golf Variant 2.0 TDI dabei.

Dieter Schindel ließ sich in puncto Streckenwahl mal wieder nicht lumpen: Autobahnanteile, Ortsdurchfahrten und verschlängelte Landstraßen – von allem etwas und alles vom Feinsten, eingebettet in die schöne pfälzische und rheinhessische Landschaft.

In den Kurven, besser gesagt: Serpentinen, hatte ich diesmal mein Aha-Erlebnis. Dazu muss ich vorausschicken: Als Performance-Mann bin ich ein exzellenter Geradeausfahrer ;-) , querdynamische Höchstleistungen überlasse ich lieber Michael Harder & Co.

Opel Astra Sports Tourer 99-Prozent-FahrtNun, auf den vielen Windungen von der Autobahn runter nach Bacharach wollte ich im Caravan den Faden zum vor mir wedelnden ST 1.6 Turbo nicht abreißen lassen. Es kam, wie es kommen musste: In einer Ecke war ich viel zu schnell – Untersteuern. Dann hab ich das gemacht, was wohl jeder in der Situation automatisch macht: Fuß vom Gas und auf die Bremse. Ganz brav drehte der gute Caravan mit dem Heck ein und war wieder auf Linie. Ein bisschen Gummi und ein paar Nerven blieben auf der Strecke – alles halb so schlimm. Das meinte nachher auch ein Kollege: Ich sei ja wohl noch nicht mal im ESP-Regelbereich gewesen.

Von dem Sports Tourer war nach der Aktion übrigens weit und breit nichts mehr zu sehen. Der fuhr in aller Ruhe zwei Kehren vor mir seinen Stiefel runter. Da merkt man halt schon, dass der neue Astra eine Generation weiter ist. Glückwunsch an das Chassis-Team!

Opel Astra Sports Tourer 99-Prozent-Fahrt Opel Astra Sports Tourer 99-Prozent-Fahrt

Schön, dass der Kollege Hofmann die Dinge hier beim Namen nennt. Wir hatten in Schweden auf unseren Prototypen immer einen Aufkleber: „Ich bremse auch für Paparazzi“. An der Fahrertür fanden sich nach der Versuchsfahrt mehr Kerben als vorher…

Spaß beiseite: Wir erlebten am Polarkreis, wie Paparazzi auf einer Straße mitten im Wald zwischen den versteckten Werkstätten der OEM ihre Autos einfach quer gestellt hatten. Den doch ziemlich überraschten Testfahrern blieb gar nichts anderes übrig als zu stoppen. So konnten die dreisten Erlkönigjäger die Prototypen in aller Ruhe von hinten/seitlich ablichten.

Also, diese Spielchen treiben schon seltsame und teilweise extrem gefährliche Blüten.

Die Testfahrten mit dem Astra Sports Tourer haben noch nicht richtig begonnen, schon kursieren im WWW die ersten Erlkönig-Fotos. Mir steht ab sofort auch ein ST für Prüf- und Messfahrten zur Verfügung. Darüber werde ich demnächst ausführlicher berichten – mit Bildern, versprochen.

Hier schon mal ein Indiz auf „meinen“ Testwagen – kein klassisches Erlkönigmotiv, dafür sehr vielsagend. Besonders interessant ist die Prägung „PPV 1“ auf der Motorraum-Plakette. Das heißt: Vorserienfahrzeug mit einem Hinterbau aus dem ersten Satz. Die Heck-Blechteile sind also auf Prototypenanlagen produziert und ohne Rücksicht auf exakte Passungen montiert. Weil die „Fertigungsqualität“ sehr stark streut, ist das ein echtes Einzelstück. So ein Auto darf später nie in Kundenhand geraten. Deshalb wird es „gebrandmarkt“.

Das Schicksal dieses Exemplars ist vorgezeichnet: Wenn wir mit ihm fertig sind, wartet die Schrottpresse.

Opel Astra Sports Tourer PPV Opel Astra Sports Tourer PPV

Bewegender Moment: Gunnar Böhler und ein Teil des Teams beim ersten Probelauf eines Prototypen des 1,4-Liter-Turbobenziners für den neuen Opel AstraDas grüne Licht für die Serienentwicklung des 1.4 Turbo löste im Team Euphorie aus, doch viel Zeit zur Freude blieb nicht, der Erfolgs-und Termindruck wuchs. Die zahlreichen Erkenntnisse unserer Berechnungen sollten unbedingt noch in den Bau der ersten Prototypen mit einfließen, damit die Versuchsingenieure das Triebwerk von Anfang an voll belasten konnten. Unter Missachtung aller Überstundenkonten konnte der Prototypenbau alle Teile gerade noch rechtzeitig liefern – und damit war die erste wichtige Projektphase geschafft. Mit nur zwei Tagen Verzug starteten wir den ersten Prototyp im Beisein des kompletten Entwicklungsteams! Schon ein bewegender Moment, wenn so ein völlig neuer Motor sein erstes Lebenszeichen von sich gibt – unser Baby lebt!

Nun waren wir alle auf die ersten Ergebnisse gespannt. Erfüllt der Motor die hohen Leistungszielwerte? Was macht der Kraftstoffverbrauch? Können wir den Wettbewerb auch in dieser wichtigen Disziplin schlagen? Kann die neue volumenstromgeregelte Ölpumpe wirklich ihre Vorteile ausspielen? Und vor allen Dingen, sind die umgesetzten Versteifungsmaßnahmen auch im harten Dauerlauf ausreichend?

Die Antworten lauteten ja – aber sie waren auch mit Erkenntnissen verbunden, die uns zeigten, wo noch Änderungen nötig waren. Das bedeutete in der Praxis den Umbau von Prototypen, damit alle Entwickler wieder die gleichen Bedingungen hatten. Eine logistische Herausforderung, denn in dieser Phase war die Zahl unserer Motoren bereits auf knapp 100 gewachsen, viele davon schon in Fahrzeugen eingebaut, die für Testfahren überall auf dem Globus unterwegs waren. Aber auf unsere Entwicklungswerkstätten und Lieferanten war Verlass: Unser kleiner Turbo blieb im Plan.

Mein Name ist Thomas Wanke, ich bin Entwicklungsverantwortlicher für Fahrzeugsicherheit. Nachdem mein Kollege Jürgen Peitz schon die „Low-Speed-Crashtests“ beschrieben hat, wobei es unter anderem um Reparaturfreundlichkeit ging,  möchte ich unsere Arbeit am Gesamt-Sicherheitskonzept beschreiben.

Bei aller Computertechnik immer noch unverzichtbar: Der Crashtest mit dem auf 64 km/h beschleunigten Auto. Es ist immer wieder ein besonderes Gefühl und wird nie zur Routine.

Sicherheitstor vor dem Barriereblock zu, Spots für die Hochgeschwindigkeitskameras an. Im Messelektronikraum herrscht höchste Konzentration – nicht nur das Zugseil ist gespannt. Dann das ohrenbetäubende Signal, Blinklicht, die Seilwinde jault auf.

Jetzt muss der erste Crashprototyp des neuen Astra zeigen, was er kann: Probe aufs Exempel nach jahrelanger Vorarbeit mittels Simulation und CAD. Die Winde beschleunigt den Wagen, dann taucht der Prototyp kurz vor dem Zuschauerraum auf, bevor er mit 40 Prozent Überdeckung in die deformierbare Barriere knallt. Der Krach geht durch Mark und Bein.

Es folgt ein kollektives Aufatmen der Zuschauer, alles Ingenieure aus verschiedenen ITEZ-Fachabteilungen. Die Vorbau-Knautschzone hat innerhalb von 100 Millisekunden gute Arbeit geleistet: Fahrgastzelle ohne Deformationen, Airbags gezündet, Türen frei und von Hand zu öffnen. Jetzt geht es an die Analyse – über Details werde ich hier im Blog in den nächsten Wochen berichten.

Astra Crashtest bei - 4 ms Astra Crashtest bei 110 ms Astra Crashtest bei 400 ms

Markus Hofmann am Astra-IV mit 1.4 Turbo Ich bin den 1.4 Turbo dieser Tage in einem IV und in einem PPV als Sechsgang-Schalter und mit der Sechsstufen-Automatik gefahren. Auf der Rundbahn in Dudenhofen stand eine Volllast-Beurteilung an. Wir haben 0 bis 100 km/h, 40 bis 120 im vierten Gang, 80 bis 120 im fünften sowie Topspeed im fünften und im sechsten Gang gemessen.

Solange die Daten noch nicht homologiert sind, will ich hier vor allem einige subjektive Eindrücke schildern. Genauere Infos zum Triebwerk und seiner Entwicklung wollen demnächst die Kollegen aus der Motorenentwicklung hier im Blog beisteuern.

Das Wichtigste vorweg: Dieser Motor passt hervorragend zum neuen Astra. Wer Benziner mag, trifft damit meiner Meinung nach die beste Wahl. Der Saugrohreinspritzer ist ein mehr als vollwertiger Ersatz für den 1,8-Liter-Sauger. Bei identischer Leistung, 140 PS, liefert der Downsizing-Motor ein höheres Drehmoment, nämlich 200 Nm, und das in einem Bereich von etwa 1.900 bis 4.900 min-1. Außerdem sinken Realverbrauch und CO2 um fast 20 Prozent gegenüber der Referenz.

Auf einer Extra-Testfahrt mit viel Autobahnanteil war ich mit dem 1.4T Automatik unterwegs und musste dazu eine bei uns so genannte „Bewertung aus Kundensicht“ abgeben. Sie fiel sehr positiv aus: Angenehmer, weil leiser und vibrationsarmer Reisewagen; gelungene Motor/Getriebeabstimmung mit praxisgerechtem Schongang, spontanes Ansprechverhalten bei Leistungsanforderung; souveräner Durchzug in allen Lebenslagen; Fazit: Sparsamer Gleiter mit sportlichen Anlagen.

Niemand wird es mir verdenken: Die Nürburgring-Nordschleife ist meine Lieblings-Prüfstrecke. Dagegen kommt nun mal kein Proving Ground oder sonst ein Rennkurs dieser Welt an. Die „Grüne Hölle“ trennt die Fahrwerk-Spreu vom Weizen – und macht Spaß. Nicht umsonst herrscht hier zu Industriepool-Zeiten regelmäßig Hochbetrieb.

Opel gehört übrigens zu den Gründungsmitgliedern dieses Industriepools, den es seit Mitte der 90er-Jahre gibt. Damit haben wir erreicht, dass die Nordschleife für die Automobilentwicklung weiter nutzbar bleibt. Wir drohten nämlich im stetig zunehmenden Publikumsverkehr unterzugehen. Viele Freizeitpiloten schauen leider kaum in den Rückspiegel, hauen einem die Tür vor der Nase zu, schlingern jenseits von Gut und Böse herum oder stellen das Auto für Fotos direkt hinter einer Kuppe ab. Alles schon erlebt… Deshalb ist es für uns gewissermaßen lebensnotwendig, dass wir es im reservierten Industriepool-Zeitfenster als Profis mit Profis zu tun haben. Da kennt und respektiert jeder die Regeln. So können wir uns auf das Auto und die zu prüfende Komponente konzentrieren.

Die Videoszene stammt von einem, sagen wir mal, autorisierten Spion. Es handelt sich um den recht anspruchsvollen Streckenteil „Brünnchen“: Leichte Kompression, kleine Welle auf der Ideallinie, schnelle Rechts bergab, wo Querstabilität gefragt ist. Auch hier, mit dem Abstimmungsfahrzeug Astra 2.0 CDTI Automatik, demonstriert unser Fahrwerk seine konzeptionellen Qualitäten.

Astra-Prototyp bei Versuchsfahrt mit Bremsanhänger in SpanienEinspritzdruck, Turbo-Turbinendrehzahl, Kühlleistung des Abgasrückführungs-Kühlers, Plateau-Drehmomentkurve, CO2-Faktoren, Dauerhaltbarkeit, Euro 5 – das ist meine Welt, meine berufliche Welt. Mein Name ist Dr. Thomas Wagner und ich bin für das Entwicklungsprojekt 1.7 CDTI im Astra zuständig – ein Motoren-Mann also.

Ich möchte hier darüber berichten, wie unser Team den Astra-Diesel in den vergangenen Jahren vom Lastenheft über den Prüfstand bis zum fertigen Fahrzeug begleitet hat. Mein Schreibtisch steht im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum, aber wir sind auch oft unterwegs – zum Beispiel mit den einzelnen Versuchsgruppen bei Winter-und Sommertestfahrten.

Zuletzt ging es nach Spanien. Das Foto entstand bei einer Versuchsfahrt mit einem Vorserienfahrzeug – Höhenabstimmung auf etwa 2.000 Metern bei 18°C. Der etwas skurril wirkende „Campingwagen“ hinten dran hilft uns bei den Messungen, weil er als Bremsanhänger höhere Lasten am Fahrzeug simulieren kann. So besteht die Möglichkeit, bestimmte Motorkennfeldpunkte auf der Straße anzufahren. Der Freizeitwert des Vehikels ist leider gleich null – es eignet sich nicht mal zum Biertransport, weil durch die Bremswirkung sehr viel Wärme produziert wird.