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Hier der versprochene Zusatzbericht über unsere jüngste Session auf dem Idiada-Testgelände.

Opel Astra Sports Tourer PPVAlso: Bevor wir die mit dem Sports Tourer-Simulanten herausgefahrenen Ergebnisse mit unseren PPV bestätigen konnten, sind wir einer folgenreichen Verwechslung aufgesessen.

Und das kam so: Erste Amtshandlung in Katalonien waren subjektive Vergleichsfahrten zwischen den aufgelasteten Fünftürern und den Sports Tourer-Pendants. Prompt schlug das Popometer Alarm – der Simulant und der PPV mit der (vermeintlich) gleichen Fahrwerksauslegung fühlten sich alles andere als identisch an. Fehlersuche hieß also die Devise. Dabei drehten wir jedes Teil zweimal um. Schließlich war der Übeltäter identifiziert: Falscher Vorderachsstabi.

Opel Astra Sports Tourer PPVHintergrund: Beim Astra kommen aus Gewichtsgründen rohrartige hohle Stabilisatoren zum Einsatz. Bei diesem Stabityp hängt die Rollfederrate vom Außen- und vom (nicht sichtbaren) Innendurchmesser ab. Für die Astra Kombi-Version hatte sich als Ideallösung ein um 40 Nm/° steiferer Stabilisator als bei der Limousine herauskristallisiert. Während der Simulant korrekt konfiguriert war, hatte der Sports Tourer-PPV die optisch zum Verwechseln ähnliche Fünftürer-Version mit fast identischem Außendurchmesser und etwas geringerer Wandstärke intus.

Obwohl uns diese Episode einen ganzen Tag gekostet und viel Frust beschert hat, zogen wir ein positives Fazit: 3 Prozent Rollfederraten-Differenz vorn zuverlässig aufgespürt – Popometer völlig intakt.

Nachdem der Fehler behoben war, fuhren Simulant und ST-PPV nicht nur subjektiv wie eineiige Zwillinge. Auch die nachfolgenden Messungen bestätigten das. Auf dieser Basis konnten wir uns dann relativ entspannt um die Feinabstimmung der Dämpfer für den Sports Tourer kümmern. Das geht wirklich nur mit dem Original.

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Opel Astra Sports Tourer - PPV vs. MuleWie doch die Zeit vergeht… Waren wir kürzlich noch auf Simulanten angewiesen, so sind jetzt bereits die Original-Ergebnisse im Kasten – herausgefahren auf dem spanischen Prüffeld Idiada mit seriennahen Sports Tourer-Prototypen.

Mir war angesichts der Treffsicherheit der So-tun-als-ob-Methode schon fast unheimlich zumute: Die Sports Tourer-PPV verhielten sich auf dem Testgelände in der Nähe von Barcelona tatsächlich exakt so wie erwartet, oder besser: erhofft. Alles auf Grundlage der Berechnungen und Versuche, die wir hier mit dem zum Kombi mutierten, aufgelasteten Fünftürer unternommen haben.

Opel Astra Sports Tourer - Slalom PPV vs. Mule Zeitversetzt machten unsere Kollegen, die für die ESP-Abstimmung zuständig sind, dieselbe Erfahrung in Schweden. Auch dort fielen die Ergebnisse des Simulanten und des Originals im Rahmen der Messtoleranzen identisch aus.

Allerdings ging in Katalonien zunächst nicht alles so reibungslos über die Bühne. Das lag aber weder an der Methode noch an dem für spanische Verhältnisse recht kühlen Frühlingswetter. Bericht folgt…

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Opel Astra - Testauto Kombi-VarianteWas tun Chassis-Ingenieure, die das Fahrwerk für ein Auto entwickeln und abstimmen sollen, das es noch gar nicht gibt? Sie tun so als ob. Genau das haben wir gemacht, indem wir einen Fünftürer so konfigurierten, dass er der Kombi-Variante, die zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht als Prototyp verfügbar war, möglichst genau entspricht.

Aus fahrdynamischer Sicht unterscheiden sich Limousine und Kombi vor allem in puncto Achslastverteilung, Schwerpunkthöhe und Trägheitsmomente. Da alle drei Einflussgrößen voneinander abhängen, war die Aufgabe nicht so ganz ohne.

Geholfen hat uns das Excel-Makro unserer Computer-Simulationsexperten, mit dem wir die Zusatz-Massen des Kombi – rund 40 Kilo – und deren exakte Position im Fahrzeug iterativ berechnen konnten. Wie das dann „in echt“ aussieht, zeigen die Fotos unseres „Kombi-Fünftürers“. Übrigens ein Erlkönig mit perfekter Tarnung – dem sieht auf der Straße niemand an, dass er was Besonderes ist.

Den Insignia-Check bestand die So-tun-als-ob-Methode mit Bravour: Eine gemäß Simulationstool-Angaben beaufschlagte Insignia-Limousine generierte genau die gleichen Messwerte und subjektiven Beurteilungen wie der identisch motorisierte und ausgestattete Insignia Sports Tourer.

Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und Fahrwerk-Abstimmungen gefunden, die zu den Astra Kombiheck-Varianten passen. So dürfte es demnächst, wenn wir mit den ersten richtigen Prototypen auf dem spanischen IDIADA-Testgelände unterwegs sind, keine Überraschungen mehr geben. Ich bin schon sehr gespannt!

Opel Astra - Testauto Kombi-Variante Opel Astra - Testauto Kombi-Variante Opel Astra - Testauto Kombi-Variante

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Opel Astra Testfahrt USADie Dolomiten-Tour läutete eine ganze Reihe von interkontinentalen Versuchen mit maximalen Beanspruchungen ein. Frisch montierte Exemplare unseres 1.4 Turbo absolvierten Hochgeschwindigkeits-Dauerläufe genauso wie Kurzstreckentests mit ständigen Kaltstarts. Wir überlassen da wirklich nichts dem Zufall. Unsere Vorsorge reicht so weit, dass wir ganz spezielle Fahrprofile von Kunden in Kanada oder Skandinavien nachstellen.

Insbesondere die Abstimmung der Motorsteuerung unter extremen klimatischen Bedingungen ist eine echte Herausforderung für Mensch und Maschine. Das Aggregat muss am Polarkreis genauso wie im unerträglich heißen Death Valley ohne Mucken starten und sauber laufen – ein Wechselbad der Extreme.

Die Teams in Nordschweden muteten den Motoren Spezialversuche bis weit unter -30 °C zu. Währenddessen checkten die Kollegen im umgekehrt unwirtlichen Südwesten der USA das Startverhalten bei +45 °C, analysierten Leistungskurven, schauten ganz genau auf die Kühlung, beobachteten den Einfluss verschiedener Kraftstoffqualitäten und legten dabei immer die strengstmöglichen Abgasnormen zu Grunde.

Opel Astra Testfahrt USA Opel Astra Testfahrt USA
Opel Astra Testfahrt USA Opel Astra Testfahrt USA

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Mein Kollege Markus Hofmann wird hier demnächst den neuen 1,4-Liter-Turbobenziner im Astra näher beschreiben. Als kleinen Appetithappen habe ich diese Bilder von einem meiner jüngsten Besuche im GM-Testzentrum Nürburgring mitgebracht.

Parallel zu unseren Fahrwerk-Versuchen spulten Andreas Karner und seine Jungs aus dem Bereich Zündtechnik einen Zündspannungstest unter verschärften Bedingungen auf der Nordschleife ab. Bei dem Probanden handelt es sich um einen 1.4 Turbo, der seinen Dienst in einem Powertrain-Mule verrichtet.

Die etwas eigenartige Haube vor der Kühlermaske wird so natürlich nie in Serie gehen. Laut Hans Link, zuständig für den Messaufbau Motor-/Getriebeelektronik (gelber Overall), hält die Vorrichtung bei diesem Mule-Typ zuverlässig das Spritzwasser von der Luftansaugung fern.

Zündspannungstest mit Mule des neuen Opel Astra Zündspannungstest mit Mule des neuen Opel Astra
Zündspannungstest mit Mule des neuen Opel Astra Zündspannungstest mit Mule des neuen Opel Astra

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Den Mules, die wie berichtet jetzt zur Verschrottung anstehen, haben wir Fahrwerk-Entwickler schon ungezählte Kilometer aufgebrummt. Von April bis Ende Oktober ging’s auf den Opel-Prüffeldern in Dudenhofen und Pferdsfeld sowie auf meiner Lieblings-Teststrecke Nürburgring-Nordschleife rund. Von November bis März sind wir mit den dunkelblauen Technologieträgern knapp unterhalb des Polarkreises in Arjeplog und gut 5.000 Kilometer weiter südlich auf dem IDIADA-Testgelände in der Nähe von Tarragona unterwegs gewesen.

Im Winter können wir so parallel Entwicklungen auf Hochreibwert (trockener Asphalt) und Niedrigreibwert (Schnee und Eis) vorantreiben. Die Ergebnisse werden wechselweise genutzt und in Maßnahmen umgesetzt. Diese Vorgehensweise hat sich speziell vor dem Hintergrund der immer knapperen Entwicklungszyklen bewährt.

Michael Harder mit Mule Mule: Astra-Technologieträger

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Wir als Fahrwerk-Entwickler sind daran gewöhnt, dass nicht immer das drin ist, was draufsteht. Ich meine unsere Technologieträger, die so genannten Mules. Außenhaut und Interieur des Vectra C sind hier mit den maßgeblichen Architekturbauteilen des neuen Astra verbunden. Dazu gehören neben Karosseriestruktur, Unterboden, Motor, Getriebe und Teilen der Fahrzeugelektrik vor allem die Fahrwerksysteme Bremsen, Lenkung, Dämpfung, Reifen sowie Vorder- und Hinterachse. Und mit solchen Testfahrzeugen werden Funktions- und Dauerhaltbarkeitsprüfungen durchgeführt. Dazu später mehr.

Zunächst noch was zum Begriff mule, englisch für Maultier. Nun, Maultiere sind als gelungener Mix aus zwei Arten laut Wikipedia gutmütig, geradlinig und sehr belastbar – wie unsere Testautos. In puncto „hohe Lebenserwartung“ allerdings können unsere Mules mit den lebendigen Maultieren nicht mithalten. So wandert der abgebildete Vierrädrer bald zusammen mit seinen Artgenossen in die Schrottpresse – ohne Abwrackprämie.

Michael Harder mit Mule Mule: Astra-Technologieträger

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Michael Harder mit MuleAuf die von „didi“ gestellte Frage bezüglich Reifenabstimmung möchte ich gerne etwas näher eingehen: Die potenziellen Reifenpartner nominieren wir lange bevor überhaupt der erste Prototyp existiert. Von der Nominierung an werden die in Frage kommenden Produkte der verschiedenen Hersteller gemäß unseren Vorstellungen optimiert. In dieser Phase verwenden wir so genannte Mules. Diese optisch „alten“ Fahrzeuge kommen dem neuen Auto (fahrwerk)technisch schon so nahe wie möglich. Auf dieser bereits sehr soliden Erkenntnisbasis machen wir dann mit den Prototypen weiter.

In der Regel erstreckt sich der Optimierungsvorgang über drei bis vier Loops. Dabei stellen die Lieferanten jeweils mehrere Reifensätze mit leicht unterschiedlichen Spezifikationen zusammen, die wir erst auf trockener und dann auf nasser Fahrbahn überprüfen. Pro Loop kommen so mehrere hundert Pneus zusammen, die bewertet und selektiert werden müssen. Das ginge alles gar nicht ohne das ausgeprägte Know-how unseres Reifenexperten Wolfgang Körper. Der koordiniert die Testläufe und kennt die spezifischen Stärken und Schwächen der Kandidaten aus dem Effeff. Für den am besten beurteilten Satz pro nominiertem Hersteller geben wir schließlich die weitere Entwicklungsrichtung vor.

Daraus wird vielleicht ersichtlich, dass die Reifenabstimmung schon eine Wissenschaft für sich ist – weit jenseits von „Hauptsache schwarz und rund“.

Mule Vorderrad Reifenexperte Wolfgang Körper Mule Hinterrad

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