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Opel Astra - Testauto Kombi-VarianteWas tun Chassis-Ingenieure, die das Fahrwerk für ein Auto entwickeln und abstimmen sollen, das es noch gar nicht gibt? Sie tun so als ob. Genau das haben wir gemacht, indem wir einen Fünftürer so konfigurierten, dass er der Kombi-Variante, die zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht als Prototyp verfügbar war, möglichst genau entspricht.

Aus fahrdynamischer Sicht unterscheiden sich Limousine und Kombi vor allem in puncto Achslastverteilung, Schwerpunkthöhe und Trägheitsmomente. Da alle drei Einflussgrößen voneinander abhängen, war die Aufgabe nicht so ganz ohne.

Geholfen hat uns das Excel-Makro unserer Computer-Simulationsexperten, mit dem wir die Zusatz-Massen des Kombi – rund 40 Kilo – und deren exakte Position im Fahrzeug iterativ berechnen konnten. Wie das dann „in echt“ aussieht, zeigen die Fotos unseres „Kombi-Fünftürers“. Übrigens ein Erlkönig mit perfekter Tarnung – dem sieht auf der Straße niemand an, dass er was Besonderes ist.

Den Insignia-Check bestand die So-tun-als-ob-Methode mit Bravour: Eine gemäß Simulationstool-Angaben beaufschlagte Insignia-Limousine generierte genau die gleichen Messwerte und subjektiven Beurteilungen wie der identisch motorisierte und ausgestattete Insignia Sports Tourer.

Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und Fahrwerk-Abstimmungen gefunden, die zu den Astra Kombiheck-Varianten passen. So dürfte es demnächst, wenn wir mit den ersten richtigen Prototypen auf dem spanischen IDIADA-Testgelände unterwegs sind, keine Überraschungen mehr geben. Ich bin schon sehr gespannt!

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Sicher und dynamisch soll er sich fahren, unser Astra – egal in welcher Version. Die Leser hier im Blog und auch Kollegen stellen immer wieder die Frage, wie wir Chassis-Entwickler mit den verschiedenen Lasten und Gewichtsverteilungen umgehen. Tatsächlich geht die Schere angesichts des breiten Spektrums an Ausstattungs- und Motorvarianten weit auf. Das gilt besonders bei Volumenmodellen.

Nun, fahrdynamisch gilt folgender Zusammenhang: Ausgehend von einem Basisfahrzeug mit Basisgewicht nimmt mit der Masse und dem Vorderachslastanteil die Untersteuerneigung zu (Untersteuern ist, wenn man den Baum zuerst sieht – Übersteuern ist, wenn man den Baum zuerst hört).

Diesem physikalischen Effekt haben wir Folgendes entgegenzusetzen:

  1. Reifenprogramme – Eines für die kleinen Benziner und den 1.3 CDTI (205/60-16, 215/50-17, 225/45-18) sowie eines für den 1.6 Turbo und alle weiteren Diesel (215/60-16, 225/50-17, 235/45-18). Reifen mit einer höheren Tragfähigkeit (Load Index) weisen bei gleichem Querschnittsverhältnis in der Regel eine höhere Schräglaufsteifigkeit auf. Das bringt ein Plus an Grip.
  2. Luftdruck – In gewissem Rahmen verbessern höhere Werte die Schräglaufsteifigkeit der Reifen zusätzlich.
  3. Federraten – Wir verwenden sieben Vorder- und drei Hinterfeder-Typen in verschiedenen Kombinationen.
  4. Rollratenverteilung – Durch die Fliehkräfte bei Kurvenfahrt will sich der Aufbau nach außen neigen. Dem wirken Federraten und Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse entgegen. Die Feder- und Stabilisatorenraten addieren sich zur Gesamtrollrate an Vorder- und Hinterachse. Das Lenkverhalten des Wagens wird unter anderem vom Rollraten-Verhältnis Front zu Heck bestimmt: Hoher Rollratenanteil vorne bedeutet mehr Untersteuerneigung, hoher Rollratenanteil hinten verringert die Untersteuerneigung. Dieser Erkenntnis folgend erhöhen wir bei Modellvarianten mit höherer Vorderachslast die Heck-Rollrate, indem wir Hinterachs-Torsionsprofile mit dickeren Blechstärken verwenden.

 
Über Aufbau und Funktionsweise der Hinterachse berichte ich zu gegebener Zeit noch im Detail.

Michael Harder mit Astra-Hinterachse Reifenlager Pferdsfeld
IV des neuen Opel Astra IV des neuen Opel Astra

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