Testfahrt neuer Opel AstraWas haben wir Motorenentwickler noch auf der Straße zu suchen? Weshalb tingeln wir tausende von Kilometern und in Summe Jahre unseres Lebens durchs Gebirge? Wozu brauchen wir das von Chassis-Kollege Michael Harder beschworene Popometer? Berechtigte Fragen angesichts der beschriebenen Mess- und Regelgüte, die unsere Simulationsrechner und Prüfstände mittlerweile bieten.

Die Antwort ist relativ simpel: Wir entwickeln Autos für Menschen. Und wir wissen, dass jedes noch so ausgeklügelte, objektive Bewertungsverfahren die menschlichen Empfindungen und Befindlichkeiten nicht vollständig erfassen und adäquat berücksichtigen kann. Die Feinabstimmung ist nach wie vor Sache von (Sitz)Fleisch und Blut – selbstverständlich mit Unterstützung moderner Messtechnik.

Testfahrt neuer Opel AstraWas die Mitglieder des Motorsteuerungsteams auszeichnet, ist ein besonderes Gespür, beispielsweise für Drehzahländerungen bei Gangwechseln, für Lasteinflüsse bei der Zuschaltung von Verbrauchern wie Klimaanlage oder heizbare Heckscheibe… Auch für Phänomene wie Lastschlag und Abstellschütteln bei unterschiedlichen Temperaturen, Luftfeuchtigkeitswerten und Höhenlagen haben wir ganz empfindliche Antennen.

Darüber hinaus treiben uns Fragen um wie: Ist das Pedalkennfeld im Lastpunkt x bei Drehzahl y in Ordnung? Passt dieser Kennfeldlastpunkt zu dem von Georg Bednarek & Co. vorgeschlagenen Schaltkennfeld des Automatikgetriebes? Hier bestand die Herausforderung übrigens darin, einen sauberen Kompromiss zwischen Komfort (z.B. Rangieren bzw. Fahren in 30er-Zone) und Sportlichkeit zu finden.

Dieses Beispiel verdeutlicht den hohen Stellenwert des Faktors Mensch auch in der modernen Motoren- bzw. Automobilentwicklung. Denn: Seit wann können Computer und Prüfstände Kompromisse schließen? Und das auf hohem Niveau?

Testfahrt neuer Opel Astra Testfahrt neuer Opel Astra

THEMEN  ,

18 Reaktionen zu “Gespür für Abstellschütteln”

  1. Albert

    Dem kann ich absolut nur zustimmen! hab ja schon dein ein oder anderen insignia / neuen Astra probe gefahren, und da merkt mann teilewise schon das jemand mit gedacht hatt! :)

  2. Josh

    JA das subjektive Gefühl ist unbestehclich, denn der Kunde hat als einziges Meßinsturment seinen eigenen Popometer um versprochende Botschaften in Bezug auf Komfort selbst zu prüfen.Somit ist dies für ihn nachweisbar und erlebbar. Nicht die Technik kauft der Mensch sondern die damit in Verbindung stehende Emotion (hier Fahrgefühl)

  3. Lehmann

    Eben ein stimmiges Gesamtkonzeot, das ist entscheidend. Ich denke, dass es im Kern wichtig ist, etwas im Kern Solides auf die Beinde zu stellen. Das Grundprodukt muss schon absolut perfekt sein. Etwaige Gimmicks können das Autofahrerleben versüßen, dürfen aber meiner Meinung nach keine nennenswerten Unterschiede in Bezug auf das Grundprodukt als Gesamtes darstellen.

  4. ralle

    Man merkt schon das generell bei den Modellen sich Leute einen Kopf gemacht haben, ich empfinde den neuen Astra wie auch den Insignia sehr angenehm. Das man es nicht jedem recht machen kann merkt man sehr deutlich beim 1,7l CDTI da gehen die Meinungen weit auseinander die einen sagen der Motor wirke müde die anderen empfinden den Motor als sehr angenehm, ich für meinen Teil empfinde den Diesel als angenehm muß aber dazu sagen das ich privat bisher nur Benziner gefahren bin, gut beruflich hingegen fast nur Diesel aber Transporter kann man nicht unbedingt mit PKWs vergleichen.

  5. Horst Hirsch

    Kann es sein, dass der ST auf dem Bild andere Scheinwerfer hat?
    Ich hab nicht viele Bilder vom Astra mit Halogenlampen, aber oben schaut’s wirklich danach aus, als wäre das Innenleben “runder”.

  6. didi

    ?!? Wo ist da oben ein “ST” ?!?

  7. Horst Hirsch

    Der mit dem Hänger ist wohl nur ein 5T?
    Hab gedacht….wegen der Tarnung.

    Naja: Die fehlende Dachrailing ist einziges Indiz, dass es kein ST sein könnte(?)

    Wenn’s der 5T ist, dann hatten wohl die Erlkönige andere Scheinwerfer…

  8. didi

    Joh, aus der Perspektive wahrlich schwierig und ich mußte da jetzt auch nochmals hingucken und würd’s auch wohl nur an der fehlenden Dachreeling festmachen. Mit abgeklebten (/vermeintlichen “Baumarkt”-) Lichtern ist immer so´ne Sache, s. Spekualationen um den GTC-II/Coupé, da blinkt es oben, wo sonst das TFL vom 5-T…

  9. Lehmann

    Ich persönlich finde es wichtig, dass ein Motor vibrationsarm läuft. Beispiel: rangieren mit Standgas und der schleifenden Kupplung. Da mag ich es nicht, wenn es schüttelt und beispielsweise die Abgasanlage oder die Motorlager Geräusche machen. Oder Anfahren: Ich gebe unter normalen Umständen leicht Gas, bei 1100-1200 U/min wird eingekuppelt und dann entsprechend Leistung zum Beschleunigen abgerufen. Auch dabei sollte es nicht vibrieren.
    Bei meinem 1.9 CDTI ist es so, dass es mittlerweile beim Herausbelschleunigen aus dem unteren Drehzahlbereich bei Einsetzen des Turbos schon ziemlich vibriert, das betrifft auch die Innenausstattung. Das surrt z.T. ganz merklich.
    Um so schöner, zu lesen, dass man beim Neuen offenbar viel Wert auf diese Form von erlebbarer Qualität gelegt hat.

  10. didi

    Jepp, das steigert wahrlich “erlebbare Qualität” und hoffentlich auch dauerhaft anhaltend ! Denn beim Corsa-B und jetzt beim Meriva meint man schon wahrzunehmen wie sich zunehmend/schleichend das rappeln im ganzen Interieur steigert, was beim Neuzustand noch erstaunliche Stille hatte. Hier + da Resonanzen aufgenommen werden und man sich am gegenhalten, drücken + klopfen erwischt, um es irgendwo mal wieder zum schweigen zu bringen, kurzzeitig…

  11. Lehmann

    Was mir auch auffällt: das vibrierende Lenkrad bei Standgas. Bei besagtem Kupplungsschleifen im Standgas wirds heftiger. Das wirkt ein bisschen billig beim “H”.

  12. Stefan

    @Moderator
    Welche Farbe hat der Astra, den man von hinten auf der italienischen Autobahn sieht?

    Wurde das Farbangebot zwischenzeitlich geändert? Ich habe vor ein paar Monaten einen neuen Astra mit einer edlen Lackierung in einem Champagner-Ton / Saharasilber gesehen. Auf der Opel-Homepage finde ich diese Farbe aber nicht mehr…

  13. didi

    Ist das nicht Argonsilber ?

    Bzw. was du gesehen hast war evtl. das Muskatgrau (s.a. Meriva-B, bzw. ab jetzt auch Corsa-D), wobei es bei opel.de hierzulande wohl (noch) nicht erhältlich ist…??!

  14. Stefan

    Ich denke Argonsilber ist das klassische, helle Silber. Der Astra auf dem Foto macht aber einen dunkleren Eindruck. Evtl. die Farbe Silbersee?
    Beim Insignia habe ich die Farbe Pannacotta gefunden – wird es die für den Astra auch geben??

  15. Kai

    @Stefan
    Ich denke auch es wird Silbersee sein. Sonst hätte ich noch Karbongrau vermutet, aber das ist noch dunkler. Pannacotta wird aktuell nicht mehr für den Astra angeboten.
    Ich hatte ja gehofft, dass Aquamarin (oder was beim H Breezeblau war) mit MY 2011 kommt, aber leider nicht. Vielleicht wird es mit Präsentation des GTC ein schönes kräftiges blaut geben.

  16. didi

    Folgende Frage wirft sich mir immer mal wieder auf. Gibt es ein “Einfahrprogramm”, also das quasi die ersten x-tkm (oder “Kaltzustände”)der Motor in einer Art “Schonmodus” softwaretechn/Motorsteuerung läuft ?!?
    Denn man liest dann immer wieder hier+da, dass der Neuwagen nach diesen ersten x-tkm auf einmal besser läuft, leiser, mehr Durchzug, satte 1-2 Liter weniger verbraucht, obwohl angebl. der selbe Fahrstil/-profil beibehalten würde (!)
    Oder ist das alles nur die normale Einspielung von Mensch+Maschine, Einbildung,….?!

    Bzw. wie ist das bei der Produktion, der fertige Motorenblock wird mit seinenn Betriebsflüssigkeiten befüllt und noch vor dem Einbau (?!) und/oder später auf dem Rollenprüfstand kurz (ein-) gefahren ?!
    Könnte man dazu etwas mehr erfahren, was und wieviel (zeit / fiktive km) der Motor hier schon hinter sich bringt ??!

    PS: BMW hat doch zumindest beim M5 so´ne Drehzahlbergrenzung mit opt. Balkenanzeige im Kaltzustand !? Daher halt auch so ein weiterer Gedanke zu einer Schutzfunktion in bestimmten Zuständen…

  17. Dr. Thomas Wagner

    @didi: Man sollte hier zwischen zwei Themen unterscheiden:

    1. Das Einfahren eines Fahrzeuges nach dem Aufbau des Antriebsystems:

    Im 1,7-Liter-Dieselmotorenwerk wird beispielsweise jeder Motor mit Betriebsflüssigkeiten befüllt und auf einem Prüfstand unter Last für eine bestimmte Zeit getestet. Diese Zeit ist immer ein Kompromiss aus Taktzeit und Umfang des Prüfprogramms. Wenn die Analyse der gemessenen Daten in Ordnung ist, wird der Motor für den Transport in das Fahrzeugwerk freigegeben. Bestimmte Betriebsflüssigkeiten bleiben im Motor, andere müssen systembedingt erneut im Fahrzeugwerk befüllt werden (z.B. Kühlkreislauf des Fahrzeugs). Es ist normal, dass der Antriebstrang eine gewisse Zeit benötigt, um die „Anfangsreibung“ abzubauen. Eine Laufstrecke über mehrere Tankfüllungen sollte schon eingeplant werden.

    2. Die Aufwärmphase eines Motors:

    Im EMS (Engine Management System – Motorsteuerung) sind für die Kaltlaufphase und niedrige Außentemperaturen besondere Kennfelder abgelegt. Diese unterstützen eine schnellere Aufwärmung der Betriebsflüssigkeiten sowie der Motor- und Getriebekomponenten auf Betriebstemperatur.

  18. didi

    Ok/danke, dann soweit das normale im Rahmen des sich “einschleifen”.
    Und das mit den Kennfeldern, u.a. für Kaltlaufphase, das war mir bewußt, meine Vermutungen/Verdacht gingen halt noch weiter auf ein Kennfeld, “die-ersten-1000-km” oder so

Einen Kommentar schreiben