Monatsarchiv für Juni 2009

Über die Autos, mit denen wir testen, habe ich ja schon berichtet und ich hatte versprochen, später noch mehr über diese getarnten Gesellen zu erzählen. Zur Zeit arbeiten wir mit zwei Typen. Beide sehen zwar schon deutlich nach neuem Astra aus, sind aber dennoch sehr unterschiedlich.

Neuer Opel Astra - PPV und IVDas IV (integration vehicle) ist äußerlich an den Rückleuchten aus dem Baumarkt (ja, wirklich!) und der viel stärkeren Tarnung erkennbar. Die intensivere Tarnung ist deshalb nötig, weil wir mit diesen Fahrzeugen schon sehr früh auf die Straße gehen, denn sie dienen – wie der Name schon andeutet – der Integration der einzelnen Technik-Komponenten, dem Test ihres Zusammenspiels. IV werden im Prototypenbau von Hand montiert.

Weit näher am späteren Serienauto ist das PPV (pre-production vehicle). Hier sieht außen und innen schon alles sehr nach Astra aus, Spaltmaße und Oberflächenstrukturen sind natürlich noch nicht final. PPV werden schon im Werk an einem speziellen Fließband gebaut, der sogenannten Pilotlinie. Dort werden dann auch im Hinblick auf die spätere Serienproduktion Werkzeuge und Fertigungsabläufe optimiert. Die PPV haben nur noch ein dezentes Tarnmuster und keine sperrigen Aufbauten mehr.

Derzeit scheuchen wir sowohl IV als auch PPV noch gleichermaßen durch den Testbetrieb. Die allerersten Autos, mit denen wir Astra-Komponenten testeten – die bereits vom Kollegen Harder ausgiebig gewürdigten Mules – stehen derweil schon zur Verschrottung an.

Aktuell ist unser Team vor allem im Testzentrum Dudenhofen zugange, wo wir (mit den PPV!) zahlreiche Messdaten wie zum Beispiel Beschleunigungswerte und Spritverbrauch ermitteln. Auch davon werde ich noch berichten.

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Fahrwerksabstimmungen in England, gemeinsam mit unseren britischen Fachleuten, sind immer wieder eine besondere Herausforderung. Zum einen sind die Kollegen wirkliche Experten in Sachen Chassis und haben ganz genaue Vorstellungen und Wünsche, zum anderen sind die britischen Straßen ja auch von besonderem Charakter – was schon die Kollegen vom Insignia-Team ausgiebig berücksichtigt haben.

Und sie lieben sportliche Qualitäten. Bei meinem jüngsten Besuch hatten sie sogar einen waschechten Rennfahrer aufgeboten: Fabrizio Giovanardi, der für Vauxhall beim British Touring Car Championship (BTCC) unterwegs ist. Mit ihm in unserem Abstimmungs-Prototypen entstand ein Video, das ich den Blog-Lesern nicht vorenthalten möchte. Auch wenn es nicht so aussieht: Es wurde auf abgesperrter Strecke innerhalb des Testzentrums Millbrook gedreht. Viel Spaß beim Anschauen, aber bitte nicht auf die Idee kommen, es auf öffentlichen Straßen nachzumachen!

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Auto-Fans fachsimpeln gerne über Verbrauch und Drehmoment, Design und Sitzkomfort, Straßenlage und Bremsvermögen. Als nicht ganz so prickelnd gelten die Themen Reparaturkosten und Versicherungseinstufung. Dabei dreht sich im „richtigen Leben“ sehr viel eben darum. Immer wieder hört man vom bösen Erwachen: Da zieht der Kunde von Händler zu Händler, wählt nach vielen Vergleichen das vermeintlich attraktivste Angebot aus – und lässt dabei leider die Versicherungsprämie außer Acht. Ganz zu schweigen von den Reparaturkosten, die bereits ein scheinbar harmloser Parkplatz-Rempler nach sich zieht.

Opel nimmt dieses Themenfeld traditionell sehr ernst. Unser Team vom Bereich Service Engineering hat von der Entwicklungsstunde Null an darauf hingearbeitet, dem neuen Astra mit intelligenten Konstruktionsdetails zum „Best in Class“-Titel zu verhelfen. Konsequentes Noch-besser-Machen lautete dabei die Devise, sind wir doch bereits mit der Reparaturfreundlichkeit des jetzigen Astra im Segment ganz vorn dabei.

Im Juli schlägt die Stunde der Wahrheit. Dann nämlich stufen unter anderem die Experten vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unseren Schützling in die Vollkasko-Typklassen ein. Wenn alles so läuft, wie wir uns das nach jahrelanger Forschung, Entwicklung, Berechnung, Simulation, Prüfung – und natürlich auch echten Crashtests – vorstellen, wird der neue Astra in der Kompaktklasse Maßstäbe setzen. Wir sollten mit den verschiedenen Motorvarianten in der von 10 bis 34 reichenden Skala einen sehr niedrigen Rang einnehmen. Dem Astra-Besitzer bringt das eine spürbare Budget-Entlastung.

Wie wir das gemacht haben, werde ich hier im Blog noch genauer erläutern.

Jürgen E. Peitz mit Prototyp des neuen Opel Astra Prototyp des neuen Opel Astra im Bereich Fahrzeugsicherheit

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Den Mules, die wie berichtet jetzt zur Verschrottung anstehen, haben wir Fahrwerk-Entwickler schon ungezählte Kilometer aufgebrummt. Von April bis Ende Oktober ging’s auf den Opel-Prüffeldern in Dudenhofen und Pferdsfeld sowie auf meiner Lieblings-Teststrecke Nürburgring-Nordschleife rund. Von November bis März sind wir mit den dunkelblauen Technologieträgern knapp unterhalb des Polarkreises in Arjeplog und gut 5.000 Kilometer weiter südlich auf dem IDIADA-Testgelände in der Nähe von Tarragona unterwegs gewesen.

Im Winter können wir so parallel Entwicklungen auf Hochreibwert (trockener Asphalt) und Niedrigreibwert (Schnee und Eis) vorantreiben. Die Ergebnisse werden wechselweise genutzt und in Maßnahmen umgesetzt. Diese Vorgehensweise hat sich speziell vor dem Hintergrund der immer knapperen Entwicklungszyklen bewährt.

Michael Harder mit Mule Mule: Astra-Technologieträger

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Wir als Fahrwerk-Entwickler sind daran gewöhnt, dass nicht immer das drin ist, was draufsteht. Ich meine unsere Technologieträger, die so genannten Mules. Außenhaut und Interieur des Vectra C sind hier mit den maßgeblichen Architekturbauteilen des neuen Astra verbunden. Dazu gehören neben Karosseriestruktur, Unterboden, Motor, Getriebe und Teilen der Fahrzeugelektrik vor allem die Fahrwerksysteme Bremsen, Lenkung, Dämpfung, Reifen sowie Vorder- und Hinterachse. Und mit solchen Testfahrzeugen werden Funktions- und Dauerhaltbarkeitsprüfungen durchgeführt. Dazu später mehr.

Zunächst noch was zum Begriff mule, englisch für Maultier. Nun, Maultiere sind als gelungener Mix aus zwei Arten laut Wikipedia gutmütig, geradlinig und sehr belastbar – wie unsere Testautos. In puncto „hohe Lebenserwartung“ allerdings können unsere Mules mit den lebendigen Maultieren nicht mithalten. So wandert der abgebildete Vierrädrer bald zusammen mit seinen Artgenossen in die Schrottpresse – ohne Abwrackprämie.

Michael Harder mit Mule Mule: Astra-Technologieträger

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